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Urknall und Geisterfall
von
Dr. Beat Imhof,
der sich sehr eng an die medial überlieferten Evangelien (z.B. Pro Beatrice, 1948-1983) jüngster Zeit hält
veröffentlicht in: Wegbegleiter, 11. Jg. Nr. 3 (2007)
1 Einleitung
Als der Kirchenlehrer Aurelius Augustinus (354 bis 430) gefragt wurde, was Gott wohl gemacht hat, bevor er das Weltall erschuf, soll der große Theologe geantwortet haben: "Er hat Höllen geschaffen für all jene, die solch dumme
Fragen stellen." Seither sind unsere Theologen diesem Problem geflissentlich ausgewichen. Die heutige Naturwissenschaft bezeichnet den Urknall als den Anfang von Raum und Zeit. Auf die Frage eines vorlauten Studenten, wer denn da
geknallt habe, meinte sein Astronomie-Professor: "Es ist unverschämt, solche Fragen zu stellen." "Woher kommt das Universum?" fragte ein Schiller seinen Meister. "Woher kommt deine Frage?", antwortete der
Lehrer. Der Physiker S. M. Markus gesteht: "Von einem Vorher wissen wir nichts." Sein Kollege Harald Fritzsch hält die Frage nach der Zeit vor dem Urknall für sinnlos, weil wir nicht wissen, warum ein Urknall überhaupt
stattgefunden hat (Fritzsch, 1996). In Übereinstimmung mit den meisten Kosmologen meint Karl-Heinz Kupfer, der Anfang unseres Weltalls liege "in einer für uns unfassbaren Dimension und über den Zeitraum 'davor' wissen wir gar
nichts" (Kupfer, 1987).
Im folgenden wollen wir uns dieser Frage stellen und versuchen, einen Zusammenhang zu finden zwischen der Entstehung unseres Kosmos und einem präkosmischen Großereignis von enormer Tragweite, das
wir Geisterfall nennen. Damit soll eine Brücke gebaut werden zwischen der Physik und der Metaphysik.
2 Schöpfung aus dem Nichts?
Die christliche Theologie vertritt den Glaubenssatz, Gott habe die Welt aus dem Nichts erschaffen. Dies widerspricht dem philosophischen Lehrsatz "Aus nichts wird nichts" (ex nihilo nihil fit). Es leuchtet ein: aus einem Nichts
kann ein ganzes Universum nicht entstanden sein. Dieses ist nicht umsonst zu haben.
Auch Naturwissenschaftler sind häufig der Meinung, alles was wir Schöpfung und Natur nennen, sei im Verlauf von Jahrmilliarden wie von
selbst, nämlich durch Selbstorganisation der Materie entstanden (Jantsch, 1992). Im Jahr 1983 stellte der russische Physiker Andrej Linde in Moskau seine Theorie von der "chaotischen Inflation" vor und behauptete, das ganze
Universum sei aus dem Nichts entstanden. Dabei nahm er ein energiegeladenes Vakuum an, das mehrere Billionen Grad heiß war. "Eine Energie-Zuckung des Vakuums" hat nach seiner Ansicht den Urknall in Gang gebracht (Klein, 1998).
Die Frage ist nur: Woher soll diese Energie stammen? Sie kann nicht sich selber erschaffen. Darin sind sich wohl alle einig. Entweder besteht das Universum seit Ewigkeit oder es hat einen Anfang genommen. Hoimar von Ditfurth meint:
"Für unser Verständnis existiert vor dem Urknall nichts", weil diese Frage außerhalb des naturwissenschaftlichen Erfahrungsbereichs liegt (Ditfurth, 1981). Als gesichert gilt heute die Ansicht, unsere materielle Welt habe mit
dem Urknall ihren Anfang genommen. Für die Naturwissenschaft sind Begriffe wie "vorher" und "nachher" an die Zeit gebunden. Daher schreibt Paul Davies, Professor für theoretische Physik: "Ursache und Wirkung sind
zeitliche Begriffe und lassen sich nicht auf einen Zustand anwenden, in dem die Zeit nicht existiert. Diese Frage ist also bedeutungslos" (Davies, 1986). Auch der Physiker Frank Tipler hält die Frage nach einem zeitlichen Anfang des
Universums für unsinnig, da sie gleichbedeutend sei mit der Frage, "was geschehen ist, ehe ein ewiges Universum zu existieren begann" (Tipler, 1995). Dagegen ist der Astronom Arnold Benz der Ansicht: "Im Lauf der
Entwicklung des Universums ist das Neue nicht aus dem Nichts entstanden, sondern aus Vorhandenem und nach kausalen Gesetzen" (Benz, 1997).
3 Die universelle Energie
In der ganzen Schöpfung, in der geistigen wie in der materiellen, wirkt nur eine einzige Energie. "Alles ist eins" erkannte schon der griechische Philosoph Heraklit (540 bis 480). Wir können auch sagen: Alles
ist (Gottes) Energie. Alle Energieformen, die wir heute kennen, sind Variationen dieser einen ursprünglichen universellen Kraft, die wir Gd oder "Urlicht" nennen. In der östlichen Philosophie heißt sie Atma, der "Atem
Gottes" oder der universale Geist. Die Bibel spricht vom "Odem des Allmächtigen" (Hiob 32,8) So gesehen ist alles Sein durchatmet von göttlicher Schöpferkraft. Alles in der gesamten Natur, jeder Stein, jede Pflanze und jedes
Tier, so auch der Mensch, ist von einer Od-Hülle umgeben und an seiner individuellen Od-Schwingung erkennbar (Hinz, 1991).
Der englische Schiffsarzt Robert Mayer entdeckte im Jahr 1840 als erster das Gesetz von der Erhaltung der Energie. Danach kann Energie nicht vernichtet, sondern nur umgewandelt werden. Wenn Energie also nicht
ins Nichts verschwinden kann, dann kann sie auch nicht aus dem Nichts entstehen. Folglich muss ihre Quelle nicht in einer physischen sondern in einer metaphysischen Dimension liegen. Die Welt vor dem Urknall muss eine geistige gewesen
sein.
Die Od-Energie ist daher nicht materiellen sondern geistigen Ursprungs; letzten Endes ist sie eine Emanation Gottes. "Sie ist die Lebenskraft des Geistes. Träger der Odkraft ist daher stets der Geist. Da nun die
Odkraft in und um alles ist, was Gott geschaffen hat, und stets mit dem Geist verbunden ist, so folgt daraus, dass in allem geschaffenen Sein ein Geist ist" (Hochgeist der Wahrheit an Greber, 1932). Aus dieser alles umfassenden
Energie ist die gesamte Schöpfung, die geistige wie die materielle, gestaltet.
Aus der jenseitigen gottnahen Geisterwelt erklärte uns das hohe Engelwesen Lene im September 1979, an lässlich einer Meditationswoche in Braunwald
mit dem Medium Beatrice Brunner von der Geistigen Loge Zürich:
"Dieses Od der verschiedenen Art wird in Bewegung gebracht, wird geistig etwas verdichtet. Durch feine Verdichtungen von all dem, was zur Verfügung steht, war und
ist es möglich, das geistige Reich in seiner Vielfalt aufzubauen. Die dazu erforderliche Kraft – reinste odische Kraft – geht von Gott aus. Sie durchflutet nicht nur die Himmel, sondern die odischen Kräfte sind überall in jener Feinheit
vorhanden, wie sie in der nächsten Umgebung Gottes vorherrschen und darüber hinaus im Bereich der hohen Geister der himmlischen Welten" (Geistwesen Lene, 1979.
Dieses Od kann als die Energieform bezeichnet werden, die
aller Schöpfung zu Grunde liegt. Es ist also dieselbe Energie, die in den hohen Lichtsphären der Engelwelten wirksam ist wie auch die Energie, welche in den Tiefen der finsteren Fallwelten die dortigen Verhältnisse bestimmt. Der
Unterschied liegt allein in deren Schwingungsart und Qualität dieser Energie. Alle Teile und Bereiche im All sind durch diese Kraft miteinander verbunden. Alles was im Makrokosmos und im Mikrokosmos existiert, ist letzten Endes Od-Energie
in unterschiedlichem Verdichtungsgrad. Od ist demnach der Urstoff der Schöpfung, die "Ursubstanz des Alls" (Hinz, 1991).
4 Die Urknall-Theorie
Bereits im 13. Jahrhundert erklärte der englische Philosoph Robert Grosseteste (1168 bis 1253), der erste Kanzler der Universität Oxford, das Weltall sei aus einem Punkt uranfänglichen Lichtes entstanden, der sofort zu wachsen begann und
so die Sphären unseres Universums formte. Im Jahr 1927 hat der belgische Theologe und Astrophysiker Georges Lemaitre (1894 bis 1966) als erster die Vorstellung von einem expandierenden Weltall entwickelt, das aus der Explosion eines
riesigen Uratoms entstanden sei. Als er Ende der 1920er Jahre in der Sternwarte auf dem Mount Wilson in Kalifornien ferne Sternsysteme beobachtete, kam ihm der Gedanke: Die Galaxien verhalten sich wie Granatsplitter nach einer
Detonation. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Georg Gamow mit seinen Mitarbeitern diese Theorie erweitert und wissenschaftlich ausgebaut. Heute glauben die Astronomen auf Grund ihrer wissenschaftlichen Erkenntnisse zu wissen: Vor 13,7
Milliarden Jahren ist die materielle Welt mit dem Urknall, englisch "Big Bang" genannt, in Erscheinung getreten.
Der Urknall war eine Art Explosion, die aus einer Anfangssingularität heraus entstanden ist. Unter
Singularität versteht man einen gedachten Punkt ohne räumliche Ausdehnung mit extrem hoher Dichte. Dies entspricht dem Universum zum Zeitpunkt der Weltentstehung. Damit hat die Ausdehnung unseres Kosmos begonnnen, die noch heute anhält.
Würde man die inzwischen abgelaufene Bewegungsstrecke wie einen Film rückwärts laufen lassen, wäre nach etwas mehr als 13 Milliarden Jahren ein Zustand erreicht, der dem Anfangs- und Ausgangsstadium des Weltalls nahe am Urknall
entspräche. Der ganze Kosmos war anfänglich auf einen äußerst engen Raum beschränkt. Stephen Hawking meint, das Universum hätte anfänglich in einer Nussschale Platz gehabt. (Hawking, 2001).
Mit dem Urknall entstanden auf einen
Schlag Raum und Zeit sowie Energie und Masse. NachEinstein sagt das Äquivalenzgesetz aus: "Wenn die Materie sich ihrer Masse entkleidet und sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegt, dann nennen wir sie Strahlung und Energie. Wenn
umgekehrt Energie erstarrt und träge wird und wir ihre Masse feststellen können, dann nennen wir sie Materie" (Barnett, 1955). Das Weltall entstand aus einer extrem hohen Energiekonzentration, in der sämtliche Möglichkeiten
enthalten waren, die später zur Entwicklung unserer Welt führten. Die Urmaterie war zunächst reine Strahlungsenergie. In deren gewaltigem Aufblitzen entstand ein riesiger Feuerball, wie wenn hunderttausend Atombomben zugleich explodieren
würden.
Ein Beweis dafür, dass der Urknall tatsächlich stattgefunden hat, ist die kosmische Hintergrundstrahlung. Im Jahr 1965 sollten die amerikanischen Elektronikspezialisten A. Panzias und R. W. Wilson die Ursachen für
Störungen im Funkverkehr mit künstlichen Satelliten untersuchen. Dabei entdeckten sie zufällig ein merkwürdiges Rauschen im Mikrowellenbereich, das aus allen Richtungen im Weltraum kam. Ausgedehnte Untersuchungen dieses Phänomens führten
zur Erkenntnis, dass es sich um das "Nachleuchten" oder das Echo des Urknall-Lichtblitzes handelt. Wir können dessen Leuchtspuren heute auf der Mattscheibe unserer Fernsehapparate bei Leer-Empfang als flimmernden
"Schnee" beobachten. Dadurch werden wir "Zeugen einer Zeit unmittelbar nach der Geburt des Universums" (Markus, 1986).
In seiner "Kurzen Geschichte der Zeit" schildert der englische Mathematiker und
Physiker Stephen W. Hawking das kosmische Geschehen in den ersten Sekunden nach dem Urknall:
"Nach dieser Auffassung hatte das Universum zum Zeitpunkt die Größe Null und war deshalb unendlich heiß. Doch mit der Ausdehnung des
Universums musste die Temperatur abnehmen. Eine Sekunde nach dem Urknall war sie auf ungefähr zehn Milliarden Grad gefallen. Das Universum enthielt zu diesem Zeitpunkt größtenteils Photonen, Elektronen und Neutrinos, deren Antiteilchen
sowie einige Protonen und Neutronen ... Etwa hundert Sekunden nach dem Urknall war die Temperatur auf etwa eine Milliarde Grad gefallen." (Hawking, 1993).
Der AstrophysikerSteven Weinberg (Juni 2007: kürzlich verstorben) nimmt
an, dass sich das Universum nach drei Minuten auf eine Milliarde Grad abgekühlt hat, so dass sich die ersten Atomkerne bilden konnten, vorwiegend Wasserstoff und Helium [1]. (Weinberg, 1997)
Inzwischen dehnte sich das Universum während der folgenden Million Jahre immer weiter aus. In dieser Zeit sank die Temperatur schließlich auf ein paar tausend Grad, so dass die Elektronen und Kerne nicht mehr genügend Energie aufbrachten,
um ihre gegenseitige Anziehungskraft zu überwinden.
In der Folge konnten sie sich zu Atomen verbinden. Im weiteren Verlauf der Abkühlung entstanden die verschiedenen chemischen Elemente. Die Gase Helium und Wasserstoff füllten
den kosmischen Raum aus. Die ungleich verteilten Gasmassen zogen sich allmählich zusammen. Unter der Wirkung ihrer eigenen Schwerkraft fingen sie an, sich um ihr eigenes Zentrum zu drehen. Bei zunehmendem Druck und steigender Temperatur
kam es zu den ersten Kernfusionen. So bildeten sich die frühesten Sonnen und Sternsysteme.
Das begrenzte Weltall[2] dehnte sich immer weiter aus. Einen Beweis hierfür finden wir heute in der sogenannten Rotverschiebung im Spektrum [Aufbau der Lichtstrahlung] sehr weit entfernter Sonnen. Der österreichische Physiker Christian Doppler (1803-1853) beobachtete, dass die Höhe eines Tones zunimmt, je mehr sich die Schallquelle dem Beobachter nähert und dass er um so tiefer wird, je weiter sich diese entfernt. Dies lässt sich leicht feststellen, wenn ein Fahrzeug sich uns nähert und wieder entfernt. Das gleiche gilt für eine weit entfernte Lichtquelle. Beim Näherkommen derselben kommt es zu einer Blauverschiebung der Spektrallinien, bei deren zunehmender Entfernung aber zu einer Rotverschiebung im Lichtspektrum.
Wenn also im Lichtspektrum eines fernen Sterns die Linien zum Roten Ende hin verschoben sind, bedeutet dies, dass dieser sich von uns entfernt. Dieser sogenannte Dopplereffekt ist eines der wichtigsten Hilfsmittel in der
Astrophysik, um die Ausdehnung des Weltalls nachzuweisen.
Der amerikanische Physiker und Astronom Edwin P. Hubble (1889 bis 1953) konnte im Jahre 1929 mit Hilfe der Rotverschiebung im Licht weit entfernter Himmelskörper beweisen,
dass deren Fluchtgeschwindigkeit proportional zu ihrer Entfernung zunimmt (je entfernter, desto schneller). Daraus ergibt sich die Annahme, dass unser Universum einen Anfang hatte und dass es sich zunehmend ausdehnt. Aus diesen Daten lässt
sich berechnen, dass sich unser Universum mit einer Geschwindigkeit von 50 bis 100 Kilometern in der Sekunde ständig erweitert.
Die Urknall-Theorie ist trotz ihrer gesicherten Daten nicht ganz unbestritten. Es wird behauptet,
dem Urknall-Modell würden die wissenschaftlichen Argumente fehlen (Gerber, 1999). Vor allem sind es die Kreationisten (amerikanische Bibelfundamentalisten), die der festen Überzeugung sind, die Welt sei genau nach dem biblischen
Schöpfungsbericht unmittelbar durch göttlichen Eingriff geschaffen worden (Breuer, 1993). Immerhin liefert uns die Urknall-Theorie bis heute das einzige Denkmodell, das alle bisherigen wissenschaftlichen Beobachtungen und Berechnungen in
einen logischen Zusammenhang bringen kann.
Wichtige Fragen werden noch heute in der astronomischen Forschung ausgeklammert, nämlich die: Weshalb kam es zum Urknall? Wodurch wurde dieser ausgelöst? Die Ursache für die Existenz
des geschaffenen Universums liegt außerhalb von Raum und Zeit. Daher kann diese nicht Gegenstand naturwissenschaftlicher Überlegungen sein. Es lässt aber aufhorchen, wenn Paul Davies, Professor für Mathematik und Physik an einer
australischen Universität, schreibt: "Das, was wir Universum nennen, könnte anfangs Teil eines grösseren Systems gewesen sein, der sich dann ablöste und zu einer unabhängigen Einheit wurde ... Wenn man deshalb den Grund für den
Urknall sucht, muss er außerhalb der Physik liegen" (Davies, 1995).
Heute stimmen viele Kosmologen der Aussage zu: "In einem göttlichen Schöpfungsakt, dessen Beginn vermutlich mit dem Urknall der Kosmologen
identisch ist, wurde die materielle Welt geschaffen" (Speer, 2006). Was also die Physik nicht zu erklären vermag, kann von der Metaphysik erwartet werden. Deshalb wenden wir uns jetzt der geistigen Welt zu, die vorder materiellen Welt
schon bestanden haben muß.
5 Die geistige Schöpfung
Die Schöpfung war anfänglich rein geistiger Natur. Die Bewohner dieser geistigen Welt sind geistige Wesen, die wir Engel nennen. Alle Religionen sind sich darin einig: Gott ist Geist und seine Werke sind geistig. Auch
Naturwissenschaftler kommen heute immer häufiger zur Einsicht, dass unser Weltall seinen Ursprung in einer geistigen Dimension haben muss und dass der materiellen Welt eine geistige Schöpfung zu Grunde liegt. So schreibt der englische
Astronom Sir James Jeans (1877 bis 1946): "Das Weltall beginnt immer mehr einem großen Gedanken als einer großen Maschine zu gleichen."
Nun aber nehmen viele Religionssysteme in Ost und West an, die geistige Welt sei
von Gott von Anfang an in einem Dualismus von Gut und Böse geschaffen worden. Frühe Völker lösten die Frage nach dem Ursprung des Bösen mit der Vorstellung von einer dualistischen Schöpfung, wo die beiden Gegensatzpole sich die Waage
halten. Im fernöstlichen Kulturkreis bildet die Yin-Yang-Philosophie die Grundlage um das Wissen von zwei polaren Gegensatzkräften, welche alles Geschehen im ganzen Kosmos beherrschen. Die alten Ägypter stellten in ihren Grabmalereien den
göttlichen Sonnengott Re dar, wie er auf seiner nächtlichen Fahrt durch die dunkle Unterwelt von bösen Dämonen angegriffen und von der gefährlichen Apophis-Schlange bedroht wird (Drevermann, 1985).
Nach einem iranischen Mythos
bestanden in alten Zeiten zwei Reiche, das Reich des Lichtes und das Reich der Finsternis in einem ausgeglichenen Verhältnis. Dieses wurde gestört, als der Prinz der Dunkelheit vom Glanz des Lichtes angezogen wurde. Es kam zum Kampf
zwischen den Lichtwesen und den Dunkelwesen. Die Niederlage der finsteren Mächte hatte deren Sturz in die Dunkelwelt zur Folge (Young, 1987).
6 Der Geisterfall
Zahlreiche Hinweise in heiligen Schriften deuten darauf hin, dass vor der Zeit das himmlische Reich gespalten wurde und zwar dadurch, dass sich die Engelwelten durch eine geistige Revolte entzweiten.
Der Stifter des
Mithras-Kultes, der altpersische Prophet Zarathustra,lehrte ungefähr im 5. vorchristlichen Jahrhundert, es gebe nur einen einzigen Gott. Dieser schuf am Anfang geistige Wesen, die er mit Lichtstrahlen durchflutet hat. Die beiden ersten
engelhaften Geschöpfe gerieten aber in Widerstreit zueinander. Der erstgeschaffene Engel wurde zum "guten Geist" Ahura Mazdah, der zweite zum "bösen Geist" Ahriman. Dieser und dessen Anhang wurden "Lügenknechte
Gottes" genannt und aus den Himmeln gestoßen (Hinz, 1961). Danach bezeichneten sie sich als "Opfer" und hegten Rachegefühle.
Nach dem Manichäismus, begründet vom persischen Religionsstifter Mani(215 bis 273
n.Chr.), fand ursprünglich in den himmlischen Welten ein Kampf statt zwischen dem "König des Lichtparadieses" und dem "Herrscher der Finsternis". Auch in der indischen Bhagavad-gita ist die Rede von den gutgesinnten
Lichtwesen, den gottzugewandten Devas, welche die aufbauenden Kräfte im Universum verkörpern. Deren Gegenspieler sind die Asuras, die gottabgewandten Dunkelrnächte mit ihren zerstörerischen Energien (Risi, 2003).
Im 6.
vorchristlichen Jahrhundert haben Pythagoras (um 570 bis 496) und seine Schüler eine Vorexistenz der menschlichen Geistseele angenommen. Deren Fall in das körpergebundene Erdenleben war ihrer Meinung nach als Strafe für ein persönliches
Verschulden in der geistigen Welt gedacht (Rosenberg, 1971). Im Mythos vom doppelgeschlechtlichen Androgyn berichtet der griechische Philosoph Platon (427 bis 347) von einer Rebellion himmlischer Wesen und deren Fall. Er erzählt, dass
die von Gott geschaffenen Geistwesen ursprünglich männlich und weiblich zugleich (Dualseelen) waren, "an Kraft und Stärke waren sie gewaltig und hatten auch große Gedanken." Einige unter ihnen wollten sich den Zugang zu den
himmlischen Höhen erzwingen, um die Götter anzugreifen. Zur Strafe wurden sie von Zeus mit dem Schwert in zwei Teile getrennt, in einen männlichen und in einen weiblichen, und auf die Erde hinuntergeworfen mit dem Auftrag, die verlorene
Einheit wieder herzustellen. Aus ihren klaffenden Wunden entstand der Eros, nämlich die Sehnsucht und das Verlangen, als Frau und Mann wieder eins und ganz zu werden (Plato, 1965).
In den Neuoffenbarungen des
Inspirations-Mediums Jakob Lorber sagt Christus durch das innere Wort: "Ich sage euch, es wäre nie eine Erde noch Sonne, noch irgend etwas Materielles geschaffen worden, wäre dieser Einzige (Luzifer) demütig geblieben." Eine
andere Stelle weist auf den Uranfang der materiellen Welt als Folge des Geisterfalls hin. Danach verdichteten sich die "anfangs noch ätherisch frei und weit ausgebreiteten luziferischen Geistervereine schließlich nach dem Gesetz der
Schwere, das sich aus der Eigenliebe und Herrschsucht von selbst entwickelt hatte, zu einem übergroßen Klumpen – die Wissenschaft unserer Zeit nennt es kosmischer Urnebel" (Lutz, 1925).
Was die christlichen Kirchen als
Sündenfall unserer Stammeltern in einem Paradies auf Erden bezeichnen, war in Wirklichkeit ein tragisches Geschehen, das sich vor der Zeit in geistigen Sphären abspielte. Diese biblische Geschichte muss als bildhafte Erzählung eines
transzendenten Ereignisses verstanden werden. Dies erkennen wir schon daran, dass es die sogenannten "Dona praenaturalia", nämlich die Unversehrtheit der Natur und das Freisein von Leiden, Krankheit und Tod auf diesem Planeten
gar nie gegeben hat. Außerdem waren die ersten Menschen in ihrer geistigen Entwicklung noch derart eingeschränkt, dass sie niemals, die Erkenntnis, die Entscheidungsfreiheit und das Verantwortungsbewusstsein haben konnten, die für eine
derart böse Tat mit solch erschreckenden Folgen für die gesamte Menschheit nötig gewesen wären.
7 Vom Ursprung des Bösen
In den monotheistischen Religionen des Judentums, des Christentums und des Islams, wo der Glaube an den einen Gott im Zentrum steht, begegnet uns die Lehre, dass das Böse durch den Missbrauch des Guten entstanden ist. Dies geschah, als
ein Teil der guten Geisterwelt ins Abseits geriet und sich gegen die göttliche Hausordnung stellte.
Zeugnisse für dieses Fallereignis finden sich mehrfach in der Bibel. Durch den Propheten Ezechiel erwähnt Jahve ein hohes
Engelwesen, das sich gegen Gott versündigt hatte und in einer späteren Inkarnation als Mensch in der Gestalt des Königs von Tyrus auftrat. Von ihm wird gesagt: "Dein Sinn war hochfahrend geworden, wegen deiner Schönheit, und du
hattest deine Weisheit außer acht gelassen um deines Glanzes willen; darum schleuderte ich dich auf die Erde hinab ..." (Ez. 28, 11-18). Der Prophet Jesaja fragte: "Wie bist du vom Himmel gefallen, du strahlender
Morgenstern?" (Jes. 14,12). Vom Evangelisten Lukas wird das Jesus-Wort zitiert: "Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel stürzen" (Lk. 10,18). Judas, der Bruder des Jakobus, schreibt in einem Brief: "Denkt auch an
die Engel, die ihre Herrscherwürde preisgegeben und den Wohnsitz verlassen haben, den Gott ihnen zugewiesen hatte" (Jud. Vers 6). Im 2. Petrusbrief heißt es: "Gott hat nicht einmal gegen gefallene Engel Schonung geübt, sondern
sie in die Unterwelt hinab gestoßen, hinein in die Höhlen der Finsternis, wo sie so lange festgehalten werden, bis sie sich wieder zu Gott wenden" (Petr. 2,4).
In der Geheimen Offenbarung schildert Johannes seine Vision
auf der Insel Patmos mit folgenden Worten: "Es erhob sich dann ein Kampf im Himmel. Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen. Der Drache schlug mit seinen Engeln zurück; aber er wurde besiegt. Er und seine Engel durften nicht
länger im Himmel bleiben. Der große Drache wurde hinuntergestürzt! Er ist die alte Schlange, die auch Teufel oder Satan genannt wird und die ganze Welt verführt. Mit all seinen Engeln wurde er auf die Erde hinuntergestürzt." (Off.
12,7-9). Im Korandes Propheten Mohammed wird der Engelsturz ebenfalls erwähnt, nämlich in den Sure 7, 11-18 und 15,26-43. Danach soll die Weigerung des stolzesten der Geister, die Ordnung Gottes anzuerkennen, zu diesem Absturz geführt
haben (Mohammed, 1993).
Der berühmteste Kirchenvater des frühen Christentums mit Namen Origenes (185-254 n.Chr.) wusste sehr wohl um den Abfall der Engel. Robert Streuli beschreibt die diesbezügliche Lehre des großen Theologen wie
folgt: "Die Willensfreiheit wurde von einer unüberschaubaren Anzahl Wesen vor einer unvorstellbar langen Zeit dazu missbraucht, sich von Christus abzuwenden, obwohl man ihm Gehorsam gelobt hatte. Man anerkannte Christi höchste
Stellung nach Gott nicht mehr und wollte eine neue Ordnung der Würden und Herrlichkeiten unter Luzifers Führung... Erster und Anführer dieser Gegenmacht war der, welcher einst der 'strahlende Morgenstern' war und dann, indem er sich vom
Guten abwendete, zum Satan wurde, zum Widersacher Christi... Infolge des Abfalls erkalteten sie und erhielten dadurch geistige Körper aus dichterer (Geist-) Materie: Sie wurden zu ätherischen Gestalten der Unterwelt. Je mehr sich das
einzelne Wesen gegen Christus aufgelehnt hatte, um so dichter wurde jetzt seine (geistige) Materie und um so abstoßender und widerwärtiger die Gestalt seines geistigen Leibes" (Streuli, 1987). Diese Lehre wurde 543 unter Kaiser
Justiniangeächtet und im Jahr 553 durch das Konzil von Konstantinopel als Häresie verurteilt. Später schloss sich die römische Kirche dieser Verurteilung an, vor allem weil Origenes die Präexistenz der menschlichen Geistseele
voraussetzte.
8 Aus medialen Kundgebungen
Jenseitige geistige Lehrer und hohe Engelwesen belehrten uns ausführlich über die tragischen Vorgänge, die sich in der geistigen Welt abspielten. Hierüber war in der Geistigen Loge Zürich in den Jahren 1948-1982 durch das
Tieftrancemedium Beatrice immer wieder die Rede. In einer dieser Jenseitskundgebungen heisst es: "Milliarden von Jahren waren über die himmlische Schöpfung, deren Wesen in Glückseligkeit miteinander lebten, dahingegangen, ehe der
Lichtträger allmählich hoff artig wurde. Ganz langsam regte sich in ihm der Wille, Widerstand zu leisten. Er fing an, sich erhaben zu fühlen, und er vergaß, dass er doch einst vor Christus gekniet und ihm Treue gelobt hatte" (Hinz,
1984). "Durch seine Überredungsgabe vermochte er immer mehr geistige Völker zu überzeugen, es wäre für sie gut, ihn zum König zu haben. Viele jedoch gab es auch, die dem Lichtträger misstrauten" (Geistlehrerin Lene, 1979).
"Luzifer fing an, Christus immer häufiger zu meiden. Er machte seinen Mitläufern verführerische Versprechungen und stellte ihnen großen geistigen Gewinn in Aussicht, wenn sie ihm folgen würden. Mit diesem Ziel sammelte er Heerscharen
um sich und baute seine Macht aus. Nicht von heute auf morgen vollzog sich dies, sondern darüber verstrichen – nach euren Zeitbegriffen – Millionen von Jahren" (Hinz, 1977). "Und als er glaubte, stark genug zu sein und genügend
Legionen auf seiner Seite zu haben, mit deren Hilfe er den Kampf aufnehmen und Christus stürzen könnte, trat er mit seinem ganzen Anhang vor Gott hin. Er huldigte Gott Vater und sagte ihm, er wolle König sein. Er solle sich die Scharen
ansehen, die ihm ergeben seien. Sie würden ihnen beiden dienen, er aber solle ihn zum König aller Geister krönen! Da wurde es plötzlich dunkel um den einstigen Lichtträger. Seine Lichter waren erloschen, er hatte seine Reinheit verloren.
Und die Stimme Gottes - sie wurde in allen Sphären und von allen Geistern in aller Welt vernommen - ertönte: Sie - die abtrünnigen Geister - hätten seinen heiligen Willen nicht erfüllt. Sein heiliger Wille sei es, dass Christus die
Herrschaft über alle Geister halte. Und sie vernahmen, sie hätten sich des Ungehorsams schuldig gemacht und für sie sei kein Platz mehr im Himmel" (Dalliard, 1999).
Der Fall eines großen Teils der Engelscharen muss als
größte präkosmische Katastrophe bezeichnet werden. Der medial begabte englische Mystiker Robert J. Lees schätzt, "dass ein Drittel der himmlischen Heerscharen dem großen Verführer Luzifer folgten" (Lees, 1968). Unter den Folgen
des Geisterfalls haben wir Menschen noch heute zu leiden, weil wir ehemals selber daran beteiligt waren. Es ist für uns Menschen freilich wenig schmeichelhaft, einsehen zu müssen, dass wir durch unsere Parteinahme für Luzifer uns selber
ins Abseits und damit in die Gottfeme manövriert haben. Mit dem Dichter Friedrich Hebbel muss ein jeder von uns gestehen: "Der ich bin, grüßt trauernd den, der ich könnte sein."
Durch den Sturz aus der Einheit in die
Zweiheit (Dualität) gerieten die Gefallenen in eine Welt des Zweifels, des Zwistes, der Zwietracht und der Verzweiflung. Daher wird der Teufel auch häufig mit den Symbolen der Entzweiung dargestellt, nämlich als Doppelwesen, halb Mensch
halb Tier, versehen mit zwei Hörnern, mit gespaltenen Füssen und mit einer zweizinkigen Gabel in der klauenartigen Hand, manchmal sogar zwitterhaft, halb männlich, halb weiblich.
In neuer Zeit haben auch Seher wie Emanuel
Swedenborg, Jakob Böhme und Anna Katharina Emmerich in unterschiedlichen Darstellungen geschildert, wie es zum Engelsturz und Geisterfall kam.
9 Der Fall in die Finsternis
Wer sich vom Licht abwendet, ihm den Rücken kehrt, wirft einen Schatten. Die Unterwelt wurde schon im Altertum als ein Reich der Schatten bezeichnet. Im Mittelalter galt der Teufel als "Schatten Gottes". Der Fall eines großen
Teils der Engelscharen muss als der eigentliche Sündenfall bezeichnet werden, unter dessen Folgen wir Menschen noch heute zu leiden haben, weil wir ehemals daran beteiligt waren.
"Um den einstigen Lichtträger voller Glanz und
Herrlichkeit wurde plötzlich alles verdunkelt. Nicht nur Christus, sondern alle treu gebliebenen Geister Gottes sahen, wie die Lichter jenes Fürsten erloschen, der nun mit all den Seinen hinabgestürzt wurde in die Unterwelt" (Hinz,
1984).
Alle Gefallenen wurden von einer mächtigen odischen Kraft in die lichtlosen Tiefen gezogen. Alles Licht wurde dadurch den Abtrünnigen entzogen. Der einstige "Lichtträger", der ehemals "Phosphoros" der
Glänzende, der Leuchtende hieß, wurde zum "Fürsten der Finsternis", seine Liebesflamme war erloschen. Die gefallenen Engel haben durch ihren Sturz aus himmlischen Sphären, wie Origenes schrieb, ihre "Wärme" verloren und
ihre Seelen sind "erkaltet". Jahrhunderte später hat Dante in seiner "Göttlichen Komödie" die Hölle als kalte Eisregion beschrieben. Kälte ist ein Symbol für Lieblosigkeit und wird der Bosheit und dem Hass
zugeordnet.
Durch den Engelsturz entstanden in tiefen Sphären halbmaterielle und ganzmaterielle Daseinsstufen als Wohnstätten für die Gefallenen. Je nach dem Grad ihres Verschuldens fiel ihre Verbannung unterschiedlich aus.
Die Mitläufer fielen weniger tief als die Rädelsführer, die Schwachen weniger tief als die Boshaften, die Reumütigen wurden weniger bestraft als die Hassenden. Je tiefer diese gefallen sind, um so mehr verloren sie die Erinnerung an ihre
himmlische Heimat.
10 Das "Schwarze Loch"
Mit den gefallenen Geistern wurde ein unermesslich grosses Quantum an Energie in die Tiefe gerissen. Diese wurde wie von einem gigantischen Trichter angezogen und schließlich von einem gewaltigen Strudel erfasst und verschlungen, ähnlich
einem "Schwarzen Loch", nur viel gewaltiger. Unter einem "Schwarzen Loch" versteht man in der Astronomie den Endzustand eines sterbenden Sterns, der unter dem Druck seines eigenen Gewichtes in sich zusammenstürzt und
in der Folge derart zusammengedrückt wird, dass unter seiner Schwerkraft kein Lichtstrahl mehr entweichen kann. Dadurch erscheint dieser Restzustand tatsächlich völlig schwarz. Im Inneren eines solchen "Schwarzen Lochs" sind
ungeheure Energiemassen so dicht beieinander, dass sie keine Ausdehnung haben und deshalb Raum und Zeit aufgehoben sind. Dies ist der Zustand der Singularität, wie die modernen Astrophysiker ihn nennen.
Folgendes wird
vermutet: Zu jedem "Schwarzen Loch" gibt es in einer anderen Dimension als Gegenstück ein "Weißes Loch". Dieses spuckt die verschlungene Energie wieder aus. Verbunden sind diese beiden kosmischen Trichter durch ein
sogenanntes "Wurmloch", eine Art Schlauch oder Kanal, welches den Energietransport ermöglicht. Der Astronom Bruno Binggeli beschreibt diesen Vorgang so: "Die eine Öffnung verhält sich dabei genau wie ein Schwarzes Loch: man
wird hineingezogen, aber statt dass man in einer Singularität endet, wird man hindurch geschleust und auf der anderen Seite, irgendwo im Universum, aus der Öffnung eines "Weißen Loches" wieder ausgespuckt" (Binggeli, 2006)[3]
Es wäre nun vorstellbar, dass sich beim Sturz der gefallenen Geisterschar in die lichtlose Finsternis deren gewaltige Energie ähnlich wie in einem "Schwarzen Loch" zusammenzogen hätte. In
dieser Fallgrube wäre die Gesamtenergie des späteren materiellen Universums zusammengepresst gewesen. Dies könnte die "äußerste Finsternis" der Hölle gewesen sein, von der die Heilige Schrift spricht. (Mt. 8,12; 22,13; 25,30) Der
gewaltige kosmische Lichtblitz am Anfang der Zeit, der im biblischen Schöpfungsbericht erwähnt wird mit den Worten "Gott sprach, es werde Licht und es ward Licht", könnte durch die Explosion dieser Energie, in der das Potential
von Milliarden von Sonnenmassen konzentriert war, entstanden sein. Gemäss dieser Annahme wäre unser Universum vor fast vierzehn Milliarden Jahren aus dem Zustand der gefallenen Geisterwelt, die in einem höllischen Schwarzen Loch gefangen
war, durch einen neuen kosmischen, vielleicht göttlichen Impuls in ein neues und hoffnungsvolles Dasein geschleudert worden. Wenn nicht aus astronomischer so doch aus spiritueller Sicht könnte dieses Ereignis mit dem Urknall gleichgesetzt
werden.
11 Die materielle Schöpfung
Hätte es den Absturz eines Teils der Engelwelten in die Gottfeme nicht gegeben, wäre die materielle Welt vermutlich nie entstanden, weil sie mit ihren Aufstiegs- und Entwicklungsstufen nicht notwendig gewesen wäre. Die ganze geistige
Schöpfung wäre in der zeitlosen Harmonie mit der göttlichen Welt geblieben und einer materiellen Schöpfung hätte es gar nie bedurft.
Die materielle Welt entstand aus der Verdichtung und Vergröberung von geistiger Energie.
Diese ist die Folge eines Verlustes an hoher Energieschwingung, ausgelöst durch den Fall einer großen Anzahl von Engelwesen in die tiefen Fallwelten. In seinen Neuoffenbarungen an das Schreibmedium Jakob Lorber sagt Christus: "Aus
Gott ging also nicht ein materielles Universum gewollt hervor, sondern erst durch geistiges Verschulden kam es zu einer Materiebildung, die nicht dem ursprünglichen Schöpfungsplan entsprach" (Lorber, 1995). Dies bestätigt uns auch der
jenseitige Lehrer Emanuel: "Die Verdichtung der Materie zu so grober, derber Erscheinungsform wie die eure, ist die Folge des Geisterfalls" (Forsboom, 1957). Auch R. Wagner bestätigt "Die Ursache liegt darin, dass sich ein
Teil der reinen Geistwesen von dem seligen Leben in Gott abwendete. Dies leitete das sogenannte Fallgeschehen, auch 'Engelsturz' genannt, ein, das schließlich zur Bildung der Materie und des Menschen führte" (Wagner, 1987).
Danach hat Gott das Weltall nicht aus dem Nichts erschaffen, vielmehr ist dieses aus einer vorher bereits existierenden geistigen Welt hervorgegangen. Die materielle Welt ist nach Schelling "schlummernder Geist", nach Hegel
"selbstentfremdeter Geist" und nach Teilhard de Chardin "unbewusster Geist".
12 Schlussfolgerung
Wer den inneren Zusammenhang von Urknall und Geisterfall begriffen hat, der wird erkennen, warum wir hier auf unserem Planeten nur eine vorübergehende Bleibe haben. Letzten Endes geht alles Sein aus einer geistigen Wirklichkeit hervor
und alles, was sich in unserem Kosmos in unterschiedlichen Dimensionen verwirklicht, ist untrennbar miteinander verwoben und vernetzt, weil es einen gemeinsamen Ursprung – nämlich Gott – hat.
Die erstaunliche Feinabstimmung in
unserem Universum kann nicht das Ergebnis eines bloßen Zufalls sein. Vielmehr steht dahinter ein kluger Plan mit seinen gesetzmäßig festgelegten Ausgangsbedingungen. Wären diese nur geringfügig anders gewesen, wären wir nicht hier und es
gäbe uns Menschen in der Art, wie wir sind, gar nicht.
Der Sinn unseres Daseins in dieser Welt ergibt sich aus jenem vorgeschichtlichen Geschehens, an dem wir in der geistigen Welt selbst beteiligt waren und dessen Folgen
wir nun zu tragen haben. Die biblische Symbolgeschichte vom "verlorenen Sohn" und seine reumütige Heimkehr ins Vaterhaus (Lk. 15, 11-25) ist eine anschauliche Schilderung unserer Situation. Wir Menschen, die wir mit sehr wenigen
Ausnahmen ehemals gefallene Engel sind, finden hier auf unserem Schulungsplaneten Erde die heilsnotwendigen Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten, die uns auf dem Weg nach Hause geboten sind. Wir sind also nicht zu unserem Vergnügen
hier, sondern um zu lernen.
Wer nicht lernt, der wird leiden. Dies ist die schicksalsbestimmende Wahrheit, die wir stets beachten sollten. Dabei müssen wir in großen Zeiträumen und Zusammenhängen denken. Wir sind ja nicht von
heute. Wir haben eine große Vergangenheit und eine noch größere Zukunft. Aus dieser Erkenntnis gewinnen wir die Antworten auf die Fragen nach unserem Warum und Wozu.
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Fußnoten:
[1] Korrektur: Im heutigen Urknall-Modell kondensierten zu Beginn nur Wasserstoff-Atome, das
"leichteste" Element. Die schwereren Elemente (Helium, Kohlenstoff, Metalle, Sauerstoff usw.) wurden alle in jahrmillionenlangen Prozessen und v.a. Explosionen (Nova, Supernova) in diversen Sonnen-Generationen erbrütet (Kernfusion) unter Einfluss großer Hitze und Druck.
Man kann also sagen, dass wir –da vorwiegend mit "schweren Elementen" gebaut –tatsächlich aus Sternenstaubbestehen. In der Bibel (l. Mose 3,19) heißt es: "Staub von der
Erde bist du, und zu Staub mußt du wieder werden." "Staub der Erde" = schwere materielle Elemente!
[2] Das Weltall ist aus unserer Raum-Zeit-Sicht unbegrenzt, da "in sich selbst gekrümmt", d. h
.: So wie auf einer Kugelebene immer geradeaus in den Dimensionen Länge und Breite (außer "nach oben"!) gelaufen werden kann, ohne an ein "Ende" zu kommen, so kann im
"gekrümmten" Raum des Universums in den drei Dimensionen Länge, Breite und Höhe geflogen werden, ohne an ein "Ende" ZU gelangen. Man würde theoretisch "von hinten" wieder
an den Abflugort zurückkommen. Allerdings reicht beim Flug durchs Universum die Zeit nicht; des weiteren dehnt sich die "Raum-Zeit-Blase" Universum ständig aus - sogar mit zunehmender Geschwindigkeit -, jedenfalls schneller, als wir fliegen könnten.
[3] Allerdings würde jegliche Materie bei diesem "Transfer" durch die Schwerkraftlöcher
vollständig "zerrissen" und nur als Energie-Strahlung hindurchkommen können. Inzwischen weiß man, dass auch die schwarzen Löcher selbst (nicht nur die hineinfallende Materie)
durch quanten-mechanische Prozesse stetig etwas Energie abstrahlen, also langsam "verdampfen". Währendessen entfalten sich die durchaus segensreichen
Schwerkraftwirkungen dieser "Löcher" und halten ganze Galaxien zusammen. Im Zentrum jeder größeren Galaxis (auch unserer) wird ein riesiges schwarzes Loch vermutet, das den
Sternenreigen dieser Milchstrasse zusammenhält und stabilisiert.
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